Ist Agilität das richtige für mein Unternehmen?

Die Agile Organisation und das Agile Projektmanagement befinden sich auf dem Vormarsch. In einer modernen Unternehmensumgebung, in der sich Anforderungen ständig verändern und Prozesse sich im ständigen Wandel befinden, ist diese Flexibilität genau gefragt. Wir informieren Sie heute, ob Agilität auch für Sie das Richtige ist – und welche Punkte dafür und dagegen sprechen.

Agilität – was ist das?

Ein Agiles Unternehmen strebt danach, seine Prozesse so zu organisieren, dass durch die Organisation keine Zeit verloren geht. Denn wer das Konzept der deutschen Bürokratie kennt, weiß, wie sehr diese einen lähmen kann. Der Wandel hin zur Agilität ist ein andauernder Prozess, der nie zu Ende geht. So lernt das Unternehmen, sich immer wieder an neue Bedingungen anzupassen und seine eigenen Anforderungen und Lösungen ständig zu überdenken.

Die wesentlichen Elemente eines agilen Unternehmens stellen die Grundvoraussetzung für dessen Agilität dar und sind in einer klassischen Unternehmensorganisation meist nicht gegeben. Diese Grundelemente sind

  • Kulturwandel (beispielsweise im Rahmen eines Change-Managements)
  • Raum (in Form von Workshops, regelmäßigen Agilen Meetings)
  • und Kommunikation (um alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzubinden)

Ist Agilität denn nun das richtige für Ihr Unternehmen? – Voraussetzungen

Ein einfacher Beschluss, von nun an auf Agilität umzustellen, reicht nicht aus. Bestimmte Voraussetzungen bedingen, ob ein Unternehmen in der Lage ist, agil zu arbeiten. Die gesamte bisherige Organisationsstruktur muss überdacht werden, bisherige Vorgehensweisen müssen hinterfragt und Arbeitskräfte in den Prozess integriert sein. Die folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein agiles Konzept zum Greifen zu bringen.

  • Soziale Voraussetzungen. In erster Linie hängt die Durchführbarkeit der Agilität von Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab. In einem agilen Unternehmen müssen alle Beteiligten in der Lage sein, eigenverantwortlich zu arbeiten, dabei Probleme und Handlungsbedarfe zu identifizieren und rechtzeitig auch eigene Entscheidungen zu treffen. Ein Unternehmen mit einer starken Führungskultur, in welcher Führungskräfte den Angestellten Entscheidungen abnehmen, müssen deshalb erst langsam in eine Richtung bewegt werden, in der Entscheidungen im Team gefällt werden. Bürokratische Hierarchiewege sind bei agilen Arbeitsweisen nämlich fehl am Platz.
  • Strategische Voraussetzungen. Agilität ist wandelbar, manchmal explosiv und teilweise sogar unvorhersehbar. Beim agilen Arbeiten entstehen schnell ungeahnte Ergebnisse, Probleme werden schnell und innovativ gelöst und ein Projekt ändert viel schneller und unerwarteter seine Richtung. Um dennoch ein sinnvolles Ergebnis zu kreieren, müssen bestimmte Konstanten auch in agilen Unternehmen bestehen. Dazu gehört eine zukunftsfähige Strategie. Diese sollte das Unternehmensleitbild sowie konkrete Ziele umfassen, mit welchen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich identifizieren. Genauso sollte die Kundenorientierung des zukünftig agilen Unternehmens strategisch festgesetzt und stets als Konstante betrachtet werden. Dies hilft in der Agilität dabei, den Kunden stetig im Blick zu behalten und seine Anforderungen mit jedem Schritt des agilen Projektmanagements mit zu bedenken.
  • Chronologische Voraussetzungen. In agilen Unternehmen wird in kurzen Zeiträumen gedacht, überlegt und geplant. Projekte, welche regulär über mehrere Monate laufen, werden in kurze Abschnitte unterteilt und anhand von Meilensteinen langsam, aber sicher zur Vollendung gebracht. So kann das Projekt schneller an neue Anforderungen angepasst werden und es entsteht eine größere Dynamik mit einer höheren intrinsischen Motivation der Beteiligten. Sind die Projekte eines Unternehmens nicht in solche Einzelsteps teilbar, bietet sich ein agiles Arbeiten eher weniger an.

Pro Agilität

Können Sie diese Voraussetzungen erfüllen, steht einem Umschwung zur Agilität grundsätzlich nichts im Wege. Dennoch fragen Sie sich vermutlich, welche konkreten Vorteile von solch einer Umstellung zu erwarten sind. Die drei wohl maßgeblichsten Vorteile sind.

  • Qualität. Beim agilen Arbeiten entsteht eine Unternehmensumgebung, welche sich flexibel an neue Anforderungen, Technologien und Probleme anpassen kann. Das bedeutet, dass das Produkt der Schaffenskraft auf seinem Entstehungsweg immer wieder neue Veränderungsprozesse durchläuft und später einen Punkt erreicht, an welchem es die in der aktuellen Situation optimalen Merkmale besitzt. Die Produktqualität verbessert sich damit im Vergleich zur Arbeit nach klassischen und (teilweise) trägen Prinzipien.
  • Unternehmensstabilität. Ein agil arbeitendes Unternehmen besitzt im Vergleich zu klassischen Organisationen in jedem Fall den Vorteil, flexibler reagieren zu können. Dadurch wird das Unternehmen weniger anfällig für Krisen und besitzt die Fähigkeit, Risiken schneller zu identifizieren und Chancen zu nutzen.
  • Mitarbeiterbindung. Die andauernde Kommunikation, die offene Feedbackkultur und die hohe intrinsische Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in agilen Unternehmen sorgt dafür, dass Arbeitskräfte sich extrem mit ihrem Unternehmen und dem von ihnen kreierten Produkt identifizieren. So bleiben sie ihrem Arbeitgeber eher treu, entwickeln intern ihre Fähigkeiten weiter und bescheren dem Unternehmen eine hohe Dichte an erfahrenen und motivierten Fachkräften mit extremem Innovationspotenzial.

Contra Agilität

Was an dieser Stelle bislang klingt wie ein super Konzept mit ausschließlichen Vorteilen, besitzt jedoch auch einige Nachteile. Diese sind jedoch primär eher als Risiken zu verstehen, welche nicht unbedingt eintreten müssen. Dennoch sollten sie jedem Unternehmer bewusst sein, welcher in der nächsten Zeit auf das Pferd der Agilität setzen möchte. Folgende Risiken sind zu bedenken:

  • Am Anfang kann alles schiefgehen. Der Umstieg auf die Agilität ist zwar kein Schritt, der von heute auf morgen gegangen werden kann. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass anfangs einiges schiefgehen kann. Kommunikationswege können fehlschlagen, Projekte können eine falsche Richtung einschlagen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können die Motivation verlieren. 
  • Entscheidungen können die falschen sein. Agilität lebt davon, im Hier und Jetzt eine Entscheidung zu fällen, welche in genau diesem Moment die Richtige ist. Das kann nach hinten losgehen, jedenfalls dann, wenn zu viele Zukunftsaspekte nicht genau definierbar sind.
  • Mitarbeiter können unzufrieden sein. Ein agiles Arbeitsumfeld ist ein Umfeld, in dem alle gemeinsam als ein großes Ganzes funktionieren müssen. Jeder Beteiligte nimmt seine eigene, auf ihn abgestimmte Rolle ein und liefert selbstständig Ergebnisse. Nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen jedoch mit diesem Ausmaß an Eigenverantwortung zurecht, ziehen sich gegebenenfalls zurück oder hindern mit ihrem Verhalten die Agilität der anderen.

Unser Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Nach den oben genannten Voraussetzungen, Vorteilen und Nachteilen von Agilität im Unternehmen sehen wir die Agilität weiterhin als ein zukunftsfähiges Konzept, welches sich in immer mehr Fällen durchsetzen wird. Jedoch gilt, wie bei allen anderen, allumfassenden Veränderungen, der Grundsatz: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Entscheiden Sie sich nicht von heute auf morgen für oder gegen die Agilität – sammeln Sie stattdessen Chancen und Risiken des Konzepts für Ihr Unternehmen und entwickeln Sie einen konkreten Fahrplan, welcher Sie in die Richtung eines agilen Unternehmens führt.

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